Das ist das süsse Leben

Das ist das süsse Leben

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Dieser erste Moment, wenn man die Zündung der gerade eben unterschriebenen Vespa startet. Wenn das vertraute Schnurren unter dem Sitz vibriert, dass das Abenteuer mit einem großen A sich direkt vor dem Vorderrad verbirgt. Das ist das süße Leben.

Een koppel op een Vespa in Sorrento, Campania, Italië

Sich aus dem Wahnsinn Neapels heraus navigieren. Dem Verkehr auszuweichen, wie Melasse die sich um ihre Arterien schlängelt, bis man schlussendlich auf dem Ocean Drive links abbiegt. Eine Straße, die so verlockend scheint und dich ans Bremsen und das Gefühl der Vespa unter deinen Füssen gewöhnt.

DIE FREIHEIT

Die Freiheit darüber entscheiden zu können, wo man sich seinen ersten Kaffee holt. Sollte es im Torro del Greco sein, sollte man sich darauf einstellen, mehr als einen Kaffee zu bestellen, da jede Tasse mit einem anderen kostenlosen Gebäck gebracht wird, welches im Munde vergeht. All dies, während dem man auf den Vesuv starrt, der Ebedrohlich am Horizont emporragt, zu welchem man sich hinbewegt.

Vespa's in Italië - Dat is 't leven

DIE ANTIKEN RUINEN

Man stolpert hungrig und durstig aus den antiken Ruinen von Pompeji in die erste Pizzeria, die sich vor dem Tor befindet und überraschenderweise feststellt, dass es sich nicht um eine Touristenfalle handelt. Köstlich, preiswert und mit einem breiten, warmen Lächeln serviert, welches sich als Markenzeichen der Region beweisen wird.

„Dieser erste Moment wenn man die Zündung startet“

EIN HIMMLISCHER FILMEMACHER

Einen ersten Blick auf die Amalfiküste zu werfen, mit der Sonne über der rechten Schulter – wie von einem himmlischen Filmemacher choreografiert – das weiche Licht, das von den Klippen abprallt und damit sogar das helle und kühle Mittelmeer überragen. Beim Anhalten um in diesem Moment innezuhalten, sieht man, dass sich die Straße in die Ferne streckt und man beginnt sich schon nach dem nächsten Tag zu sehnen. Denn das ist es wohin die Reise führt. Du und deine Vespa.

Amalfiküste

DAS BESTE EIS

Folgt man dem Rat des Reiseführers, welches auf dem Handy erscheint – einen Stopp in Sorrento einzulegen – kommt man zum besten Eis, das man je probieren würde. Während diese cremig-süße Masse auf die Eistüte gehäuft wird, sieht man sich die mit Fotos der berühmtesten Gesichter aus der Welt des Sports, des Kinos und des Königshauses an der Decke und an den Wänden an. Hier und jetzt an dieser Stelle genießt man das Gelato. Das ist das süße Leben.

TREUES ROSS

Den Hügel hochreitend, während die Dämmerung am Himmel einsetzt, das treue Ross neben den anderen Vespetti parken, auf der Terrasse essen und trinken, während man beobachten kann, wie der Erdschatten den Mond verschlingt – fast genau 50 Jahre nachdem Armstrong und Aldrin ihren berühmten kleinen Schritt von der Leiter des Adlers gemacht haben.

Drone view of the group with the vespa

NOCH ATEMBERAUBENDERE ANBLICKE

Nach dem Aufwachen nach Salerno aufbrechen. Mit der Meeresbrise, die das Gesicht abkühlt, während man sich in die scharfen Kurven hoch über dem Meer lehnt und immer wieder anhält, um mehr und mehr Fotos zu machen. Jede Wende und jede Haarnadelkurve bietet einen noch atemberaubenderen Anblick.

Amalfiküste

ES AUF SICH WIRKEN LASSEN

Alles auf sich wirken lassen, während man sich auf dem kleinen Roller an langen Schlagen parkender Autos vorbeischlängelt, voranzukommen und alles in einem eigenen Tempo aufzunehmen. Stoppen wo auch immer man will um einen Sprung ins klare blaue Meer zu wagen und alle Sorgen mit den Gezeiten wegtreiben zu lassen. Das ist das süße Leben.

Vespa vesuvius

GLOCKEN BEGINNEN ZU KLINGEN

Rase an dem zweiten Tag bei Sonnenuntergang in Richtung Salerno. Die Glocken im örtlichen Kirchturm klingen, während man sich um die Ecke und über eine Brücke nach Vietri sul Mare bewegt. Das Ding Dong, das einen begrüßt und auch wieder zum Abschied winkt, wenn man die Stadt verlässt um in Salerno einzutreffen. Hier bleibt gerade noch genug Zeit, um einzuchecken zu duschen und mit dem Rest der Gruppe wieder hinauszufahren, um dann etwas zu essen.  

PRÄCHTIGES FESTMAHL

Folgt man den anderen Vespas durch den abendlichen Verkehr und biegt dann in einen abgelegenen Platz ein, lässt man sich zu einem üppigen Festmahl mit einheimischer Kost, Wein und schillernden Gesprächen nieder.

DEN BESITZER UMARMEN

Wende dich am dritten Tag vom Meer ab und reite stattdessen durch die Majestät des Parco Regionale Monti Picentini. Hier geht es darum, über den Bergpass hunderte von Metern in die Luft zu steigen und dann wieder nach Bagnoli Irpino herunterzufahren und kurz vor der Stadt anzuhalten, um den grasenden Kühen zuzuhören. Hier kann man abschalten. Nimmt man den Helm ab, kann man dem sanften Wind und dem Klingen der Glocken, während sie die süßen grünen Sprossen wegpflücken, zuhören. Wieder aufziehend, findet man die anderen Vespas, die sich im Schatten eines Waldes von Kiefern abkühlen. Hier setzt man sich zum Mittagessen hin und isst ein Vier-Gänge-Menü, das so gut ist, dass man am Ende nur noch den Besitzer umarmen möchte. Und alles nur für 10 Euro. Das ist das süße Leben.

Koeien grazen in de wei

KLAFFENDE MÜNDUNG DES VULKANS

Am letzten Tag bleibt noch über den Vesuv zurück nach Neapel zu fahren. Die Vespa bringt dich fast bis zum Gipfel, vorbei am höchsten Parkplatz für Autos. Man zieht an Scharen von Touristen vorbei, die nach unten gehen, während man selber mühelos zur offenen, klaffenden Mündung des Vulkans hinaufsteigt. Man wandert den letzten Kilometer hinauf, die Schuhe greifend auf dem Boden, der aussieht, als wäre er erst gestern gemacht worden. Oben angekommen, wirft man einen Blick hinunter in den Bauch des Biestes. Aus ein paar kleinen Öffnungen an den Seiten steigt Dampf auf. Dieser Berg ist lebendig, aber das bist du auch. Also lässt du diesen Moment auf dich wirken und gehst wieder nach unten, um die letzte Etappe zu reiten.

Drone uitzicht op de Vesuvius

Das Herz ist schwer aber voll, wenn man diese Seite des Berges herabsteigt. Es bleibt nicht viel Zeit um Nachzudenken, denn man schließt sich dem Wahnsinn des Verkehrs am Freitagabend in Neapel an. Du merkst wie du langsamer fährst und noch ein letztes Mal versuchst einen Moment der Freiheit auf dem Rücken des Rollers zu ergattern, welches dich auf die Reise deines Lebens mitgenommen hat.

Nach etwa 400 km bist du wieder zurück am Punkt wo du gestartet bist, aber bist so viel weiter gekommen.

Das ist das süße Leben.

Leon, Larissa, Edrean & Tertia
Der Vespa Trip 2019 – Amalfiküste